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Gadoliniumhaltige Kontrastmittel: Ablagerung im Gehirn

14.03.2017 - Empfehlung des PRAC

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert über die Empfehlung des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) für vier lineare gadoliniumhaltige Kontrastmittel das Ruhen der Zulassungen anzuordnen, da es Hinweise darauf gibt, dass sich kleine Gadoliniummengen im Gehirn ablagern. Symptome oder Erkrankungen in Verbindung mit Ablagerung von Gadolinium im Gehirn wurden bisher nicht berichtet

Die betroffenen Wirkstoffe sind Gadobensäure, Gadodiamid, Gadopentetsäure und Gadoversetamid und werden bei den Patienten als intravenöse Injektionen angewendet, um die Bildgebung bei der Durchführung von Kernspintomografien (MRT) zu verbessern.

Die Bewertung des PRAC kam zu dem Ergebnis, dass überzeugende Hinweise für eine Akkumulation von Gadolinium im Gehirn vorliegen. Diese Hinweise stammen aus Studien, bei denen Gadolinium im Hirngewebe direkt gemessen worden ist und von MRT-Bildern, auf denen Bereiche mit erhöhter Signalintensität erkennbar sind, obwohl die letzte Injektion eines Gadolinium-Kontrastmittels viele Monate zurücklag.

Die von dieser Bewertung betroffenen Firmen haben das Recht, die Empfehlungen nochmals vom PRAC überprüfen zu lassen.

Die endgültigen Empfehlungen des PRAC werden dem Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA zur Stellungnahme vorgelegt. Weitere Informationen werden im Anschluss an das CHMP-Gutachten veröffentlicht.

Auch wenn keine Symptome oder Erkrankungen in Verbindung mit Ablagerung von Gadolinium im Gehirn berichtet wurden, wählte der PRAC einen vorsorglichen Ansatz, da zu beachten ist, dass die Daten zu Langzeiteffekten im Gehirn begrenzt sind. Ablagerungen von Gadolinium in anderen Organen und Geweben wurden mit seltenen Nebenwirkungen wie Hautplaques und nephrogener systemischer Fibrose bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion in Zusammenhang gebracht. Zusätzlich zeigten nicht-klinische Laborstudien, dass Gadolinium schädlich für das Gewebe sein kann.

Die Empfehlung zum Ruhen der Zulassung betreffen vier lineare Gadoliniumwirkstoffe. Lineare Wirkstoffe tendieren von ihrer Struktur eher dazu Gadolinium freizusetzen, das sich dann in Körpergeweben anreichern kann. Andere Wirkstoffe, bekannt als makrozyklische Wirkstoffe, sind stabiler und neigen wesentlich weniger zur Freisetzung von Gadolinium. Der PRAC empfiehlt, dass makrozyklische Wirkstoffe in der geringstmöglichen Dosis eingesetzt werden und nur, wenn eine kontrastmittelfreie Bildgebung als nicht ausreichend angesehen wird. Die Empfehlung beinhaltet auch, dass einige lineare Wirkstoffe verfügbar bleiben werden: Gadoxetsäure, ein linearer Wirkstoff, der bei niedriger Dosis für Leberdarstellungen eingesetzt wird, kann auf dem Markt verbleiben, da der Wirkstoff einen wichtigen diagnostischen Bedarf für Patienten mit wenigen Alternativen abdeckt. Außerdem soll eine Formulierung von Gadopentetsäure, die direkt in Gelenke injiziert wird, verfügbar bleiben, da ihre Gadoliniumkonzentration sehr niedrig ist - ca. 200mal niedriger als bei intravenös angewendeten Produkten. Beide Wirkstoffe sollen in der geringstmöglichen Dosis eingesetzt werden und nur, wenn eine kontrastmittelfreie Bildgebung als nicht ausreichend angesehen wird.

Für die Zulassungen, für die das Ruhen empfohlen wurde, kann dieses Ruhen wieder aufgehoben werden, wenn die betroffenen Firmen Daten liefern, die einen neuen Nutzen in einer identifizierten Patientengruppe zeigen, der die Risiken überwiegt oder die zeigen, dass ihr Produkt (modifiziert oder nicht) Gadolinium nicht signifikant aus dem Chelat-Komplex freisetzt (engl.: Dechelation) oder dieses nicht zu Ablagerungen in Geweben führt.

18.03.2016 - Start des Verfahrens

Das BfArM informiert über die Einleitung eines europäischen Risikobewertungsverfahrens zu gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln, die bei der Durchführung von Kernspintomografien (MRT) verwendet werden. Die Kernspintomografie, auch Magnetresonanztomografie (MRT) genannt, ist eine diagnostische Technik zur bildhaften Darstellung der inneren Organe und Gewebe mithilfe von Magnetfeldern und elektromagnetischen Wellen.

Die Substanzen werden vom Körper größtenteils über die Nieren ausgeschieden. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass es zu Ablagerungen in bestimmten Geweben kommen kann, z.B. in der Leber, der Niere, der Muskulatur, der Haut oder im Knochengewebe. Neuere Untersuchungen berichten auch über Ablagerungen im Gehirn. Obwohl bislang keine Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Ablagerungen im Gehirn bekannt geworden sind, führt der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur dieses Verfahren zur weiteren Abklärung des Risikos von Ablagerungen im Gehirn und der Sicherheit dieser Arzneimittel insgesamt durch und wird Empfehlungen dazu erarbeiten.

Mehr über die Arzneimittel:
Gadoliniumhaltige Kontrastmittel werden als Kontrastverstärker bei der Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt, um die Bildqualität zu verbessern.
Eine MRT ist eine Bildgebungsmethode, die auf magnetischen Feldern basiert, die von Wassermolekülen im Körper produziert werden. Nach der Injektion interagiert Gadolinium mit den Wassermolekülen. Als Ergebnis dieser Interaktion geben die Wassermoleküle ein stärkeres Signal, welches dazu führt, dass die Bildgebung verstärkt wird.
Die Bewertung umfasst die folgenden Substanzen: Gadobensäure, Gadobutrol, Gadodiamid, Gadopentetsäure, Gadotersäure, Gadoteridol, Gadoversetamid und Gadoxetsäure.
Die meisten gadoliniumhaltigen Kontrastmittel wurden in der Europäischen Union (EU) national zugelassen. Optimark (Gadoversetamid) ist das einzige gadoliniumhaltige Kontrastmittel, das im zentralen Zulassungsverfahren zugelassen ist.

Mehr zum Verfahren:
Das Bewertungsverfahren nach Artikel 31 der Richtlinie 2001/83/EG wurde durch die Europäische Kommission initiiert und wird vom Ausschuss für Risikobewertung (PRAC) durchgeführt, dessen Empfehlung dem Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) als fachliche Grundlage seiner Begutachtung dienen wird. Im Anschluss wird die Europäische Kommission eine rechtlich bindende Entscheidung für alle EU-Mitgliedstaaten treffen.

Details zu dem Verfahren können unter folgendem Link bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) abgerufen werden:

Gadolinium-containing contrast agents

Datum 14.03.2017
Wirkstoff Gadolinium