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Arzneimittel-Härtefallprogramme/Compassionate Use

Erstellt: 09.06.2011
Aktualisiert: 31.01.2012

Einleitung

Mit dem 14. Änderungsgesetz zum Arzneimittelgesetz (AMG) wurde der "Compassionate Use" in das nationale Arzneimittelrecht aufgenommen und durch das Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften vom 17. Juli 2009 modifiziert. § 21 Abs. 2 AMG sieht unter Nr. 6 vor:

"(2) Einer Zulassung bedarf es nicht für Arzneimittel, die […]

6. unter den in Artikel 83 der Verordnung (EG) Nr. 726/2004 genannten Voraussetzungen kostenlos für eine Anwendung bei Patienten zur Verfügung gestellt werden, die an einer zu einer schweren Behinderung führenden Erkrankung leiden oder deren Krankheit lebensbedrohend ist, und die mit einem zugelassenen Arzneimittel nicht zufrieden stellend behandelt werden können; dies gilt auch für die nicht den Kategorien des Artikels 3 Absatz 1 oder 2 der Verordnung (EG) Nr. 726/2004 zugehörigen Arzneimitteln; Verfahrensregelungen werden in einer Rechtsverordnung nach § 80 bestimmt. […]"

Aktuelles

Mit Wirkung zum 22. Juli 2010 ist die Verordnung über das Inverkehrbringen von Arzneimitteln ohne Genehmigung oder ohne Zulassung in Härtefällen (AMHV) (Arzneimittel-Härtefall-Verordnung) in Kraft getreten. Durch die Verordnung ist das Verfahren zur bestätigten Anzeige eines Arzneimittel-Härtefallprogramms durch die Bundesoberbehörden eingeführt und geregelt worden. BfArM und PEI sind damit für Härtefallprogramme im Rahmen ihrer Zuständigkeit nach §77 AMG die zuständigen Bundesoberbehörden. Die Arzneimittel-Härtefall-Verordnung gilt nur für Arzneimittel-Härtefallprogramme, d.h. Programme, die zur Behandlung von Gruppen von Patienten intendiert sind. Die Behandlung eines indiviuellen Einzelfalls ist nicht Gegenstand der Arzneimittel-Härtefall-Verordnung und des damit verbundenen Anzeigeverfahrens bei den Bundesoberbehörden.

Ob die Voraussetzungen der Arzneimittel-Härtefall-Verordnung vorliegen, kann anhand des nachfolgenden Entscheidungsdiagramms geprüft werden:

AMHV Flowchart


Datei ist barrierefrei⁄barrierearm Entscheidungsdiagramm zu Arzneimittel-Härtefallprogrammen (Größe: 61 KB)



BfArM und PEI werden in Kürze einen Entwurf zu einer gemeinsamen Bekanntmachung zur bestätigten Anzeige von Arzneimittel-Härtefall-Programmen veröffentlichen. Eine Anzeige eines Arzneimittel-Härtefall-Programms kann aber bereits jetzt vorgenommen werden. Zu Form und Inhalt verweisen wir in diesem Zusammenhang insbesondere auch auf die Amtliche Begründung zur Arzneimittel-Härtefallverordnung. Anzeigende werden gebeten, das Formular zur Anzeige eines Arzneimittel-Härtefallprogramms zu verwenden:

Datei ist barrierefrei⁄barrierearm Formular zur Anzeige eines Arzneimitte-Härtefallprogramms nach §3 AMHV (Größe: 62 KB)

Datei ist barrierefrei⁄barrierearm Erläuterungen zum AMHV-Anzeigeformular (Größe: 59 KB)

Anzeigen zu Härtefallprogrammen im Zuständigkeitsbereichs des BfArM richten Sie bitte an folgende Adresse:

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
Klinische Prüfungen/GCP
Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3
53175 Bonn

Anfragen per Email richten Sie bitte an folgende Adresse: klinpruefung@bfarm.de

Wir weisen darauf hin, dass ab Inkrafttreten der AMHV alle neuen Arzneimittel-Härtefallprogramme gemäß § 4 AMHV erst nach Zugang einer Bestätigung der Anzeige durch die zuständige Bundesoberbehörde von der verantwortlichen Person begonnen werden dürfen. Für zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Verordnung bereits durchgeführte Arzneimittel-Härtefall-Programme gilt die Übergangsvorschrift nach § 9 AMHV.


Bestätigte Arzneimittel-Härtefallprogramme gemäß § 4 Abs. 1 AMHV

Arzneimittel
Wirkstoff
Darreichungsform
Art d. Anwendung
Dosierung
Medizinische Indikation
Patientengruppe
Datum des Zugangs der
bestätigten
Anzeige
Laufzeit des
Härtefall-
programms
Verantwortliche
Person (Firma)
Kontaktdaten

Vimpat

(Wirkstoff: Lacosamid 10 mg/ml)

Sirup zur oralen Einnahme

Dosierung: bis zu 2 x 200 mg pro Tag

schwere therapierefraktäre Epilepsieform10.10.201109.10.2012

Verantwortliche Person:

UCB GmbH

Alfred-Nobel-Straße 10

40789 Monheim

T.: +49 2173 48 4848

F.: +49 2173 48 4841

 

Kontaktdaten:

Frau Angela Schmidt-Mertens

UCB Pharma GmbH

Alfred-Nobel-Straße 10

40789 Monheim

T.: +49 2173 48 2022

+49 2173 48 3258

F.: +49 2173 48 2010

E-Mail: Angela.Schmidt-Mertens@ucb.com

Ruxolitinib (INC424)

(Wirkstoff Ruxolitinib)

Tabletten zur oralen Anwendung

Dosierung: 2 x 25 mg  pro Tag

Primäre Myelofibrose (PMF) oder Post Polycythemia vera Myelofibrose (PPV MF) oder Post-Essentielle Thrombozythemie Myelofibrose (PET-MF)23.05.201122.05.2012

Verantwortliche Person:
Novartis Pharma GmbH
Roonstraße 25
90429 Nürnberg

Kontaktdaten:
Frau Dr. Alexia Junkes
Novartis Pharma GmbH
Business Unit Oncology
Roonstraße 25
90429 Nürnberg
T.: + 49 911 273 12990
T.: + 49 1802-2323 00*
Email:
infoservice.novartis@novartis.com

Zanamivir i.v.

(Wirkstoff: Zanamavir 10 mg/ml)

Infusionslösung zur intravenösen Anwendung
Dosierung: gewichtsadaptierte Dosierung bis zu 2 x 600 mg pro Tag

Lebensbedrohliche Influenza-Infektion24.03.201123.03.2012

Verantwortliche Person:
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
Theresienhöhe 11
80339 München

Kontaktdaten:
Dr. Jens Vollmar
Head Medical Therapeutic Area Vaccines
Travel- and Tropical Medicine

T.: + 49 177 8915213

Email: oax70190@gsk.com

Crizotinib 250 mg (Wirkstoff Crizotinib)
Kapsel, Tabletten zur oralen Anwendung
Dosierung: max. 2 x 250 mg pro Tag
Nichtplattenepithelkarzinom der Lunge mit Translokation  oder Inversion im Genlocus der anaplastischen Lymphomkinase (ALK)03.01.201228.01.2013Verantwortliche Person:
Pfizer Pharma GmbH
Linkstr. 10
10785 Berlin

Kontaktdaten:
Dr. Lutz Grassnickel
Pfizer Pharma GmbH
Linkstr. 10
10785 Berlin
Tel.: 030-55005501
E-Mail: CrizotinibCU@pfizer.com
Abirateron-Acetat 250 mg (Wirkstoff Abirateron-Acetat)
Tabletten zur oralen Anwendung
Dosierung: 4 x 250 mg pro Tag
metastasiertes, kastrationsrefraktäres Prostatakarzinom nach Versagen einer Docetaxel-basierten Chemotherapie20.01.201119.01.2012

Verantwortliche Person:
Janssen Pharmaceutica NV
Turnhoutseweg 30
2340 Beerse
Belgien

Kontaktdaten:
Infoservice Janssen-Cilag GmbH
Tel.: 02137-955955
E-Mail: JANCIL@its.jnj.com

GILENYA 0,5 mg (Wirkstoff: Fingolimod), Hartkapsel zur oralen Einnahme, 1 x 0,5 mg pro Tagschubförmig verlaufende Multiple Sklerose02.12.201001.12.2011

Verantwortliche Person:
Novartis Pharma GmbH
Roonstraße 25
90429 Nürnberg

Kontaktdaten:
Dr. Matthias Meergans
Novartis Pharma GmbH
Roonstraße 25
90429 Nürnberg
T.: 01802-232300*
Mo.- Fr. 8:00-18:00 Uhr
F.: 0911-27312160
Email: infoservice.novartis@novartis.com

Jevtana® (Wirkstoff Cabazitaxel)

Konzentrat u.
Lösungsmittel zur i.v.
Anwendung

Dosierung: 25 mg/m² KOF über 1 h i.v. alle 21 Tage

Metastasiertes hormonrefraktäres Prostata-Carcinom

Vorgesehen für Patienten, die an einem metastasierten Prostata-Carcinom leiden und nicht auf eine hormonablative Therapie ansprechen und bereits mit einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie vorbehandelt wurden

17.08.2010

07.04.2011

Grund für vorzeitigen Beendigung: Marktzulassung erteilt

Verantwortliche Person:
Sanofi-aventis recherche & developpement, Frankreich

Kontaktdaten:
Dr. Mark Sievert
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Potsdamer Straße 8
10785 Berlin
Tel.: 01802-222010*
Fax: 01802-222011

SCENESSE® 16 mg (Wirkstoff: Afamelanotid), Implantat zur subkutanen Anwendung, bedarfsabhängige DosierungErythropoetische Protoporphyrie (EPP)04.10.201003.10.2011

Verantwortliche Person:
Clinuvel (UK) Limited
Broadgate Tower, Third Floor
20 Primrose Street
EC2A 2RS London
UNITED KINGDOM

Kontaktdaten:
Dr. Manfred Reim
Clinuvel AG
Neuhofstr. 3d
6340 Baar
SWITZERLAND
T.: +41-41-7674561
F.: +41-41-7674546
E-Mail: clinicaltrials@clinuvel.com

*0,06€ pro Anruf aus dem deutschen Festnetz; max. 0,42€ pro Minute aus dem deutschen Mobilfunknetz

Download:

Datei ist barrierefrei⁄barrierearm Angezeigte Arzneimittel-Härtefallprogramme (Größe: 30 KB)


Weitere Informationen

Informationen zur Verordnung

Verordnung über das Inverkehrbringen von Arzneimitteln ohne Genehmigung oder ohne Zulassung in Härtefällen (AMHV)

Pressemitteilungen des Bundesministeriums für Gesundheit zur Arzneimittel-Härtefall-Verordnung (AMHV)

Amtliche Begründung zur Arzneimittel-Härtefallverordnung

Europäische Arzneimittelagentur

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA veröffentlicht Stellungnahmen zu "Compassionate Use"-Programmen (Arzneimittel-Härtefallprogramme) sowie eine entsprechende Fragen&Antworten-Liste auf ihren Internetseiten.

Hinweise der EMA zu "Compassionate Use"

"Fragen und Anworten"-Liste der EMA zu "Compassionate Use"-Programmen

Guideline on Compassionate Use of Medicinal Products, Pursuant to Article 83 of Regulation (EC) No 726/2004


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