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Entscheidungshilfe der französischen Behörde ANSM (vormals Afssaps) zu PIP-Brustimplantaten

Inoffizielle Übersetzung des BfArM
Im Zweifelsfall gilt der Text der

französischen Originalfassung

Französische Republik

ANSM (vormals Afssaps)
Nationale Agentur der Sicherheit von Medikamenten
und Gesundheitsprodukten

Entscheidungshilfe zu PIP-Brustimplantaten
Aktualisierung April 2011

Um den betroffenen Frauen und ihren Chirurgen die Entscheidung zu erleichtern, stellt die ANSM (vormals Afssaps) ein in Zusammenarbeit mit Experten der ANSM (vormals Afssaps) und der Französischen Gesellschaft für Plastische, Wiederherstellende und Ästhetische Chirurgie sowie mit Patientenvereinigungen erstelltes Dokument zur Verfügung, in dem die Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten, d.h. Belassen der PIP-Implantate im Körper oder vorbeugendes Entfernen derselben, erläutert werden.

OPTION 1: DIE PIP-IMPLANTATE WERDEN IM KÖRPER BELASSEN
VorteileNachteile
Kein chirurgischer EingriffNotwendigkeit einer halbjährlichen Nachkontrolle (1)
Beibehaltung des ästhetischen ErgebnissesRisiko falsch-negativer Ergebnisse (2)
Möglichkeit, die Meinung später noch zu ändernRisiko einer Ruptur der Prothese oder des Durchsickerns des Silikons, was zu einer lokalen Entzündung oder Schwellung der Lymphknoten führen kann (3)

Im Falle einer Ruptur der Prothese sind kompliziertere chirurgische Eingriffe erforderlich, als wenn die Prothese vorbeugend entfernt wird (4)


OPTION 2: DIE PIP-IMPLANTATE WERDEN VORBEUGEND ENTFERNT
VorteileNachteile
Notwendigkeit einer halbjährlichen Nachkontrolle der PIP-Implantate entfällt (1)Operationsrisiken (5)
Entfernung einer defekten Prothese, die bei der Kontrolle nicht als solche erkannt wurde (2)Falls beabsichtigt wird, die PIP-Implantate durch andere Prothesen zu ersetzen, Risiken im Zusammenhang mit der Auswechslung (6)
Risiko im Zusammenhang mit dem PIP-Gel entfällt

Beunruhigung lässt nach

Einfachere chirurgische Eingriffe als bei einem eventuellen späteren Eingriff infolge einer Ruptur der Prothese (4)
Risiko, dass das ästhetische Endergebnis als weniger zufriedenstellend angesehen wird (7)


Punkt (1)

Die ANSM (vormals Afssaps) hat empfohlen, dass sich Frauen mit PIP-Brustimplantaten einer besonderen medizinischen Kontrolle unterziehen sollten, bestehend aus halbjährlichen klinischen Untersuchungen und Ultraschalluntersuchungen, jeweils mit Untersuchung der Brüste und dem Bereich um die axillären Lymphknoten. Frauen, die an sich selbst eine lokale Anomalie (wie z.B. Veränderungen der Form oder der Konsistenz der Brüste, entzündliche Haut, Vergrößerung der axillären Lymphknoten) beobachten, wird nahegelegt, sich an ihren behandelnden Arzt zu wenden, um die notwendigen Untersuchungen durchführen zu lassen.

Falls entschieden wird, die PIP-Brustimplantate im Körper zu belassen, muss sich die Patientin weiterhin diesen Kontrollen unterziehen. Wenn die empfohlenen Untersuchungen auch keine Gesundheitsrisiken bergen (wie z.B. beim wiederholten Kontakt mit Röntgenstrahlen) und von der Krankenversicherung übernommen werden, so könnte die Wiederholung alle sechs Monate auf Dauer belastend werden.

Die Frauen hingegen, die sich für eine Entfernung der PIP-Brustimplantate entscheiden, müssen sich nicht mehr der von der ANSM (vormals Afssaps) empfohlenen halbjährlichen Nachkontrolle unterziehen und sind somit von dieser Belastung befreit. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Patientin bei einem Ersatz der PIP-Implantate durch neue Prothesen die üblicherweise allen Frauen mit Brustimplantaten (gleich welcher Marke) angeratenen Nachkontrollen, d.h. jährliche Nachuntersuchungen durch den behandelnden Chirurg oder Frauenarzt, durchführen lassen sollte.

Punkt (2)

Es ist auch wichtig, in Erinnerung zu rufen, dass die empfohlenen halbjährlichen klinischen Untersuchungen und Ultraschalluntersuchungen nicht zu 100 Prozent zuverlässig sein können. Es besteht immer ein Risiko falsch-negativer Ergebnisse, d.h. die Möglichkeit, dass eine tatsächliche Ruptur einer Prothese nicht diagnostiziert wird. Darüber hinaus sind Sickerungen des Gels durch die Implantat-Hülle schwieriger zu diagnostizieren und werden in gewissen Fällen nicht als solche erkannt.

Bei der Entfernung der PIP-Implantate entfällt das Expositionsrisiko gegenüber dem Füllgel der Prothesen nach einer Ruptur oder nach dem Durchsickern des Gels durch die Silikonhülle.

Punkt (3)

Aufgrund der sehr großen Heterogenität in der Herstellung stellen nicht alle von der Firma PIP auf den Markt gebrachte Brustimplantate dasselbe Risiko dar. Prognosen ihrer Veränderung über die Zeit sind daher schwierig.

Dennoch haben die durch die und im Auftrag der ANSM (vormals Afssaps) durchgeführten Tests, ergänzt durch statistische Analysen und die klinischen Erfahrungen, die der Agentur von mehreren Zentren berichtet wurden, gezeigt, dass die PIP-Implantate ein höheres Risiko einer vorzeitigen Ruptur als andere Brustimplantate aufweisen. So wurde eine stark schwankende Ruptur-Rate bis zu 10 Prozent von den ersten Jahren an nach Implantation unter Frauen festgestellt, die sich infolge der Empfehlungen der Afssaps von ihrem Arzt untersuchen ließen. Es wurde auch das Sickern des Gels durch die Hülle mit einer Rate bis zu 11 Prozent beobachtet.

Die durchgeführten Tests haben auch gezeigt, dass das Gel reizend wirken und zu entzündlichen Reaktionen führen kann. Auch im Falle einer Ruptur oder des Sickerns, kann eine Ansammlung von Gel in den axillären Lymphknoten Schmerzen und/oder Entzündungen verursachen. Andere Komplikationen, die an die ANSM (vormals Afssaps) berichtet wurden, sind Silikonome, Kapselkontrakturen des Grades 3 oder 4, Ergüsse, Lymphorrhö, verzögerte Wundheilung.

Auch wenn die Risiken schwer zu beziffern sind, bleibt die Patientin, die sich dafür entscheidet, die PIP-Implantate im Körper zu belassen, dem Risiko ausgesetzt, dass die Prothese(n) rupturiert / rupturieren und dass die obengenannten Komplikationen eintreten können.

Punkt (4)

Neben dem eventuellen Eintreten der unter Punkt (3) genannten Komplikationen hätte eine Ruptur der PIP-Prothesen oder Sickern des Gels durch die Implantat-Hülle auch Auswirkungen auf den notwendigen chirurgischen Eingriff zu ihrer Entfernung.

Tatsächlich ist die Entfernung intakter Brustimplantate ein viel einfacherer Eingriff (kürzere OP-Dauer und kein langer Krankenhausaufenthalt erforderlich) als die Entfernung defekter Brustimplantate, die eine totale Kapsulektomie erforderlich machen kann, die insbesondere je nach Entzündungsgrad und Dicke der Membran um das Implantat mehr oder weniger leicht zu realisieren ist. Der Eingriff dauert dann länger, kann manchmal zu Blutungen führen und erfordert eine intensivere postoperative Nachkontrolle als im Fall einer einfachen Entfernung. Außerdem ist der Ersatz der rupturierten Prothesen oder der Prothesen die sickern möglicherweise nicht während desselben Eingriffs möglich. In manchen Fällen ist diese Auswechslung überhaupt nur schwer durchzuführen.

Folglich bietet die Lösung, die PIP-Implantate ohne klinische Anzeichen von Rupturen oder Durchsickern zu entfernen, den Vorteil, dass nur ein relativ einfacher chirurgischer Eingriff erforderlich ist im Vergleich zu dem Eingriff, der nötig wäre, wenn die Implantate rupturieren oder sickern würden.

Es ist jedoch wichtig, in Erinnerung zu rufen, dass die klinischen Untersuchungen und Ultraschalluntersuchungen nicht zu 100 Prozent zuverlässig sein können und dass eine Ruptur oder ein Durchsickern der PIP-Prothesen daher möglicherweise erst bei deren Entfernung festgestellt wird. In solch einem Fall ist der Eingriff komplizierter und der eventuell vorgesehene Austausch der PIP-Prothesen muss möglicherweise verschoben werden. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass die betroffenen Patientinnen vor der Operation umfassend über die Risiken und die Probleme aufgeklärt werden, die während des Eingriffs auftreten können.

Punkt (5)

Wie alle chirurgischen Eingriffe ist die Entfernung von Brustimplantaten kein harmloses Unterfangen. Es handelt sich dabei um einen Eingriff unter Vollnarkose. Es besteht ein Operationsrisiko insbesondere in Abhängigkeit vom Zustand der zu entfernenden Prothese und der Entscheidung, diese durch eine neue Prothese zu ersetzen oder nicht. Zu den häufigsten post-operativen Risiken zählen Hämatome, Infektionen, seröse Schwellungen sowie Probleme bei der Vernarbung. Diese Operation birgt auch ein Narkoserisiko, das, wenngleich minimal, nicht außer Acht gelassen werden darf.

Folglich setzt sich eine Frau, die sich dafür entscheidet, ihre PIP-Implantate ohne Anzeichen einer Ruptur oder des Sickerns derselben entfernen zu lassen, auch bei diesem einfachen Eingriff mit geringen Risiken dennoch einem Risiko aus, das sie nicht eingehen würde, wenn sie die Implantate behielte. Dieses Risiko muss daher Gegenstand einer individuellen Abschätzung je nach Gesundheitszustand der Patientin sein.

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass die betroffenen Patientinnen vor der Operation umfassend über die Risiken und die Probleme aufgeklärt werden, die während des Eingriffs auftreten können.

Punkt (6)

Wenn der Austausch der PIP-Prothesen durch neue Implantate beschlossen wird, kann dieser Austausch je nach aufgetretenen Schwierigkeiten während des Eingriffs

  • während der Operation zur Entfernung der PIP-Prothesen vorgenommen werden
    oder
  • einen weiteren Eingriff mit zeitlichem Abstand zur Explantation erforderlich machen.

Im ersten Fall des Austauschs der PIP-Implantate gleich nach ihrer Entfernung verlängert sich die Operationsdauer, ohne dass die Risiken deshalb signifikant ansteigen würden. Im zweiten Fall sind die Risiken des Austauschs der Implantate gleich hoch wie bei der ersten Implantation, denen die Patientin bei der ersten Operation zugestimmt hat. Auf jeden Fall muss darauf hingewiesen werden, dass alle Brustimplantate eine begrenzte Lebensdauer haben und eines Tages ausgewechselt werden müssen.

Es ist jedoch wichtig, in Erinnerung zu rufen, dass gleich in welchem Fall Risiken im Zusammenhang mit den neuen Implantaten selbst bestehen. Jedes Brustimplantat (gleich welcher Marke) kann, auch wenn es auf dem neuesten Stand der Technik ist, zu Komplikationen nach der OP führen, die nicht sicher auszuschließen sind und einen neuen chirurgischen Eingriff erforderlich machen können.

Es ist daher wichtig, dass die betroffenen Patientinnen vor der Operation umfassend über diese Risiken aufgeklärt werden und dass sie sich der Komplikationen bewusst sind, die möglicherweise nach der Auswechslung ihrer PIP-Implantate auftreten können.

Punkt (7)

Die Bedeutung, die die Patientin der Zufriedenheit mit ihren derzeitigen Implantaten in ästhetischer Hinsicht beimisst, muss vor der Entscheidungsfindung ebenfalls gut in Betracht gezogen werden.

Die Auswechslung der Implantate kann in der Tat zu einem veränderten ästhetischen Ergebnis führen, das für die Patientin enttäuschend ausfällt. Mehrere unerwünschte Begleiterscheinungen können das ästhetische Ergebnis beeinträchtigen, vor allem eine schlechte Narbenheilung und das Verhalten des Implantats im Körper. Es besteht das Risiko einer Ptosis (Hängebrust) und der Faltenbildung.

Daher bietet die Entscheidung, die PIP-Implantate im Körper zu belassen, den Vorteil, dass eine Frau nicht das Risiko eingeht, das erreichte ästhetische Ergebnis zu verändern, besonders, wenn dieses Ergebnis zufriedenstellend war.

Es ist daher wichtig, vor der Entscheidung zur Entfernung der PIP-Implantate die Bedeutung abzuschätzen, die den möglichen ästhetischen Folgen dieser Entscheidung beigemessen wird, und der Patientin vor der Operation alle notwendigen Informationen für ihre Wahl zukommen zu lassen.